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Potsdam (ddp-lbg). Das Gelände des Schlosses Sacrow im Norden von Potsdam ist mit Blei vergiftet. Messungen der Stadt Potsdam ergaben eine durchschnittliche Überschreitung des Bleigehalts im Boden um das Dreieinhalbfache, wie Umweltdezernentin Elona Müller am Dienstag mitteilte.
Da bislang lediglich im Gemüsegarten des Schlosses Proben genommen worden seien, sei das ganze Ausmaß der Kontaminierung noch nicht zu überblicken. Der Park Sacrow mit dem Schloss und der Heilandskirche gehören zum Potsdamer Weltkulturerbe.
Müller sagte, erst nach weiteren Untersuchungen könne mit Sicherheit gesagt werden, bis in welche Bodentiefe der Bleigehalt erhöht sei und wie groß die vergiftete Fläche sei. Wann und wie die weiteren Proben genommen würden, werde kommende Woche festgelegt. Das Umweltamt habe aber bereits angekündigt, den Boden bis auf 50 statt der bislang 30 Zentimeter tief zu überprüfen.
Eine Kontaminierung des Grundwassers könne aber zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden, betonte der zuständige Arbeitsgruppenleiter der Stadt, Glenn Jankowski. Eine Wasserprobe aus dem Jahr 2009 habe keine erhöhten Bleiwerte gezeigt. Dennoch sei am Dienstag eine weitere Probe genommen werden, um sicher zu gehen. Diese Ergebnisse erwarte er binnen einer Woche.
Auslöser für die Untersuchungen der Stadt war ein privates Gutachten des Mieters eines Nebengebäudes des Schlosses, das eine erhebliche Bleibelastung des Bodens bestätigt hatte. Medienberichten zufolge war bei dieser Untersuchung gar von einer zwölffachen Überschreitung des Grenzwertes die Rede. Jankowski verwies jedoch darauf, dass bei dem Gutachten andere Richtlinien als die für Gartennutzung vorgesehenen verwendet wurden.
Der Mieter hatte offenbar in historischen Unterlagen Hinweise dafür entdeckt, dass zwischen 1817 und 1840 eine Bleizucker-Fabrik auf dem Gelände gestanden hatte, die für die Kontaminierung verantwortlich sein könnte. Der Mann sei Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), teilte Stiftungssprecher Ulrich Henze mit. Er lebe mit seiner jungen Familie seit einigen Jahren auf dem Schlossgelände.
«Die Kontaminierung eines Welterbegeländes ist natürlich alles andere als schön» sagte Henze. Die Stiftung habe davon nichts gewusst. Bei der Übernahme des Geländes 1993 vom Land Brandenburg habe es keine Veranlassung zu einer Bodenuntersuchung gegeben, betonte er. Nun stehe der Schutz der Mieter im Vordergrund. Er gehe davon aus, dass der Mitarbeiter seit Jahren Gemüse in dem vergifteten Garten anbaue.
Der Verzehr derart bleihaltiger Lebensmittel ist laut Müller «eindeutig gesundheitsschädlich». Für Besucher des Parks bestehe aber keine Gefahr, auch nicht, wenn Kinder auf der Wiese vor dem Schloss spielen würden. Die Gesundheitsgefährdung trete erst bei einer regelmäßigen Einnahme von Lebensmitteln mit Bleibelastung auf, sagte Müller.
Blei schädigt das zentrale und das periphere Nervensystem, beeinträchtigt die Blutbildung und führt zu Magen-Darm-Beschwerden und Nierenschäden.
(Quelle: http://de.news.yahoo.com/ (ddp))
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