klimagipfel 2009

Am vierten Tag des Kopenhagener Klimagipfels füllte sich das schon recht volle Konferenzzentrum weiter mit neu anreisenden Delegierten und gleichzeitig legte sich die Aufregung der ersten Tage. Nach wie vor ist das Konferenzplenum unterbrochen, um der Konferenzpräsidentin Gelegenheit zu geben, den Verhandlungsverlauf in Konsultationen über den Vorschlag von Tuvalu und anderen kleinen Inselstaaten zu klären. Um so geschäftiger waren die Verhandlungen in den zahlreichen Untergruppen und -gremien.

Zentraler Punkt der Konferenz sind die künftigen Emissionsreduktions-Verpflichtungen der heutigen und künftigen Industrieländer, und genau darum ging es im Rahmen der Verhandlungen der Kyoto-Protokoll-Vertragsstaatenkonferenz. Das Sekretariat hat mittlerweile 12 Vorschläge, eingereicht von Australien, Belarus, Bolivien (im Namen mehrerer Länder), Kolumbien, Japan, der EU, Neuseeland, Papua-Neuguinea, den Philippinen, China (im Namen mehrerer Länder) sowie zweimal von Tuvalu. Verkompliziert werden die Verhandlungen darüber durch die Tatsache, dass bei der Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls die USA nicht dabei sind und beispielsweise die Tuvalu-Vorschläge Komponenten enthalten, die nicht in dieses Verhandlungsformat gehören. Gleichzeitig sind die Vorschläge teilweise schlecht vergleichbar, da sie unterschiedliche Ausgangssituationen haben. Nach wie vor offen ist, wie die Ursache der Sitzungsunterbrechung der eigentlichen Plenar-Klimakonferenz - nämlich die Frage, ob und wie über den Wunsch von Tuvalu und anderer kleiner Inselststaaten nach einem weiteren Klima-Protokoll verhandelt wird - nun eigentlich gelöst wird.

Vermutlich der vertrackteste Punkt in den Verhandlungen ist die Frage der sogenannten Kohlenstoffsenken. Das sind vor allem Wälder. Wälder speichern bekanntlich Kohlenstoff, und wer Wälder abholzt oder ausdünnt, setzt Kohlenstoff in Form von CO2 frei und füllt die Atmosphäre mit Treibhausgasen. Im Prinzip ist es daher sinnvoll, dies zu berücksichtigen, da es der Atmosphäre schließlich egal ist, woher ein CO2-Molekül kommt. Insbesondere waldreiche Industrieländer mit miserabler Klimapolitik versuchen allerdings über zweifelhafte Anrechnungsmethoden, damit ihre Klimabilanz aufzuschönen. Auch die EU ist darüber intern heillos zerstritten. Während Österreich, Finnland und Schweden mit Vorschlägen aufwarten, mit denen man nach WWF-Berechnungen etwa 1000 Megatonnen Emissionen - mehr als die gesamten Jahresemissionen Deutschlands - auf dem Papier wegretuschieren könnte, bekam Frankreich den NGO-Positivpreis für konstruktives Verhalten, weil es solchen Praktiken eine konsequente Absage erteilte. Theoretisch sollte die EU ja einheitliche Positionen vertreten...

Noch krassere Konsequenzen hätte es, würde man die Vorschläge des bekannten Klimabremser-Staates Kanada akzeptieren. Nach Berechnungen unabhängiger Wissenschaftler könnte Kanada seine Emissionen gegenüber 1990 um glatte 12 Prozent erhöhen und dennoch auf dem Papier seine Verpflichtungen erfüllen, wenn man seinen Vorschlägen für kreative CO2-Buchführung folgen würde. So sollen nach Ansicht Kanadas die beträchtlichen Emissionen durch eine Borkenkäfer-Epidemie (verursacht übrigens durch das wärmere Klima) nicht mitgerechnet werden - denn dafür könne Kanada ja nichts. Das sind aber nur die plumperen Vorschläge. Die meisten sind etwas cleverer getarnt. Sie werden mit Sicherheit eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, in einer Woche ein auf dem Papier schönes Ergebnis zu präsentieren.

(Quelle: www.klimagipfel2009.de) [Jürgen Maier]

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