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Grafenwöhr - Das war knapp. Sozusagen auf den letzten Drücker ist das Leben von einigen Schweinen gerettet - vorerst. Denn die US-Armee hält an ihren Plänen fest, Schweine für Trainingszwecke zu töten. Nach heftiger Kritik von Tierschützern wird es auf dem US-Übungsplatz Grafenwöhr – jedenfalls vorerst – keine Tierversuche zur Ausbildung geben.
Die Regierung der Oberpfalz teilte am Donnerstag mit, dass der entsprechende Antrag zurückgezogen worden sei. Ein auf Medizinseminare spezialisiertes norddeutsches Unternehmen wollte für die militärische Ausbildung Schweine oder andere Tiere schwer verwunden, um an ihnen die Versorgung von Kriegsverletzungen üben zu können. Danach wären die Versuchstiere getötet worden.
Die Amerikaner planen nach Informationen des Bayerischen Rundfunks nun zwar ohne den Partner aus Norddeutschland, aber mit demselben Ziel der Tierversuche weiter: Medizinisches Personal soll am lebenden Tier lernen, schwere und gefechtstypische Verletzungen zu behandeln. Und die Bühne dafür soll weiterhin Grafenwöhr sein.
Hilde Patton, Sprecherin des europäischen US-Hauptquartiers in Heidelberg, erklärte dem BR, dass die Ausbildung von Sanitätssoldaten anders schlichtweg nicht möglich sei. Die US Army wolle sich noch in diesem Jahr die Erlaubnis für die Tierversuche besorgen.
Hintergrund:
Die US-Armee in Deutschland will für die Ausbildung von medizinischem Personal lebende Tiere verletzen und töten. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spricht von »perfiden und sinnlosen Tieropfern« und fordert die zuständigen deutschen Behörden auf, die Versuche nicht zu genehmigen.
Laut Pressestelle des Hauptquartiers der US-Armee in Heidelberg werden narkotisierten Tieren mit dem Skalpell Verletzungen zugefügt, die anschließend von Sanitätern versorgt werden. Als Tierarten wurden Schweine und Ziegen genannt. Über die Anzahl der Tiere und den Zeitraum macht die US-Armee nur vage Angaben. Für eine Gruppe von 30 Sanitätern werden etwa 10 Tiere verwendet. Diese Übungen würden so oft durchgeführt »wie notwendig«. Die US-Armee sei wegen der Genehmigung »in Verhandlung mit der Bundesregierung«, heißt es von Seiten der Pressestelle. Die Ausbildung soll unter anderem am Truppenübungsplatz im Oberpfälzischen Grafenwöhr stattfinden.
Die bundesweit tätige Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche protestiert aufs Schärfste gegen derartige Tierversuche. Tiere für militärische Zwecke zu missbrauchen, sei besonders perfide. Die Pläne der US-Armee stellen zudem einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. »Tierversuche zur Entwicklung und Erprobung von Waffen, Munition und dazugehörigem Gerät sind in Deutschland gesetzlich verboten«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. »Außerdem sind Tierversuche zu Ausbildungszwecken nur erlaubt, sofern das Ziel nicht auf andere Weise erreicht werden kann. Dieses ist aber z.B. mit Dummys oder direkt im Krankenhaus problemlos möglich.«
Die geplanten Versuche seien weder ethisch noch wissenschaftlich und didaktisch zu rechtfertigen. »Schweine und Ziegen unterscheiden sich in ihrer Anatomie wesentlich vom Menschen. Zudem sind mit dem Skalpell beigebrachte Verletzungen weit von der Realität von Kriegsverletzungen entfernt«, so die Tierärztin weiter. »Die Sanitäter lernen am falschen Objekt.« Die einzige sinnvolle Schulung für medizinisches Militärpersonal ist vor Ort in den Kriegs- oder Krisengebieten, wo es zahlreiche Menschen gibt, die medizinische Versorgung benötigen.
Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche protestiert bei der Regierung der Oberpfalz und fordert, das Vorhaben der US-Armee nicht zu genehmigen.
Helfen Sie mit und protestieren Sie bei der zuständigen Genehmigungsbehörde und den US-Streitkräften!
Protestadressen:
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