Erneut Putenmastskandal

Cloppenburg / Gerlingen, 18. April 2011 – Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. hat am Samstag bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Strafanzeige gegen einen Putenmäster in Emstek (Landkreis Cloppenburg), gegen die Ahlhorner Putenerzeugergemeinschaft sowie gegen die Firma Heidemark und andere gestellt.

In einer vier Monate dauernden Undercover-Recherche hat PETA in zwei Ställen mit 8.000 Putenhennen extreme Tierquälereien sowie mutmaßliche Verstöße gegen tierseuchen- und arzneimittelrechliche Bestimmungen dokumentiert: vergammelte tote Tiere, die zwischen den lebenden lagen; Tiere mit Beinschwächen; kranke Puten ohne tierärztliche Versorgung; fehlende Krankenbuchten, die gesetzlich vorgeschrieben sind; Stalleinheiten bzw. Vorräume, die bei Regen teilweise unter Wasser standen, so dass Puten zum Teil in ihren feuchten Exkrementen standen; unsachgemäß gelagerte Medikamente. Einige Tiere hatten blutverkrustete Köpfe, waren blind oder wiesen Körperdeformationen auf. Im Zusammenhang mit dem neuen Tierschutz-Skandal kritisiert PETA besonders die zuständigen niedersächsischen Behörden. Tierschutz-Verbesserungen in der Intensivtierhaltung würden zwar vom Landwirtschaftsministerium immer wieder angekündigt, umgesetzt sei jedoch bis heute zu wenig.

„Das wirklich erschreckende an unserer neuen Recherche ist, dass es sich nicht um einen Skandal-Betrieb handelt“, sagt PETA-Ermittler Stefan Bröckling. „Die schockierenden Zustände sind leider typisch für fast alle Mastanlagen.“ Der Emsteker Putenmäster beliefert den Heidemark-Schlachthof in Ahlhorn. Heidemark ist einer der größten deutschen Geflügelproduzenten mit einem Jahresumsatz von 300 Mio. Euro (2006), die Firma ist zugleich Futtermittelhersteller und Abnehmer für schlachtreife Puten. Ihr Putenfleisch vermarktet Heidemark in ganz Europa. Neben Aldi, Lidl und Metro werden auch Großküchen und Kantinen beliefert. Sogar Lufthansa und die Lebensmittelmarke „Du darfst“ sollen zu den Abnehmern gehören. Während ihrer Recherche stießen die PETA-Ermittler überraschend auf einen möglichen Verbrauchertäuschung-Skandal: Aus Lieferscheinen geht hervor, dass Heidemark gentechnisch-veränderte Sojabohnen als Futtermittel liefert, welches an die Puten verfüttert wird, die im Heidemark-eigenen Schlachthof (Heidemarker Mästerkreis) getötet werden. Derzeit ist Heidemark bei Greenpeace jedoch noch als „gentechnikfrei“ gelistet. Da der Betreiber der Emsteker Putenmastanlage Mitglied der Putenerzeugergemeinschaft Ahlhorn ist, die auf ihrer Internetseite selbst angibt, auch Wiesenhof zu beliefern, wird sich Wiesenhof ebenfalls der Frage nach Gentechnikfreiheit stellen müssen. Anlässlich des erneuten Lebensmittelskandals appelliert PETA an alle Menschen, auf eine pflanzliche Ernährung umzusteigen: „Wir sollten unsere Rolle als verantwortungsbewusste und souveräne Konsumenten wahrnehmen und ganz auf Fleisch verzichten. In der Nahrungsmittelindustrie leidet jedes Tier. Mit einer veganen Ernährung retten wir Leben!“

Stefan Bröckling, PETA-Ermittler, Mobil 0172 / 2433544
Dr. Edmund Haferbeck, Agrarwissenschaftler, Mobil 0171 / 4317387

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