• 8. Juli 2015 um 8:57

    Hallöchen,

    aus gegeben Anlass würde mich mal interessieren, wie ihr zu dem Thema Jagd bzw. Jägern steht.
    Einerseits wird sich ja immer gerne mit der \“notwendigen\“ Wachstumsbegrenzung für Wildtiere versucht aus der Affäre zu ziehen.

    Macht ihr da prinzipiell einen Unterschied zwischen der Jagd an sich oder den Jägern, die dieses System unterstützen?

    Wie würdet ihr damit umgehen regelmäßig mit Jägern an einem (Ess-)Tisch sitzen zu müssen?

    Als kleiner Hintergrund:
    In meiner Familie sitzen mittlerweile 3 aktive (Freizeit-)Jäger mit am Esstisch. Bruder, Schwager, Opa. Also alles keine Personen die man umgehen könnte (und eigentlich auch nicht möchte).
    Ich weigere mich schon seit Jahren in die Garage zu gehen wenn wieder einmal Bambi oder Klopfer am Haken hängen (könnte ein Grund meines, bis vor kurzem, entschlossenen Vegetarismus gewesen sein).
    Wenn beim nächsten Familientreffen (diesen Sonntag) dann die Frage aufkommt \“Wieso denn jetzt Vegan?\“ würde meine normale Antwort \“Weil ich keinerlei Mord an unschuldigen, schutzbedürftigen, Lebewesen unterstützen möchte\“ vielleicht etwas provozierend wirken.

  • 8. Juli 2015 um 9:33

    Hallo Nefasu,
    puh, in Deiner Haut möchte ich nicht stecken. Familie, und dann gleich drei. Aber Du hast Deine Wahl getroffen, und auch wenn Du gar nichts sagst, wird das wohl provozieren. Natürlich ist Jagd ein veganes No-go. Früher hab ich mich immer beim Wildessen vor mir selbst entschuldigt, dass die Tiere im Gegensatz zu denen in der Massentierhaltung wenigstens ein Leben gelebt haben. Aber natürlich würde ich mir selbst ungern sagen lassen: \“Bist Du gerade glücklich? Fein. Dann ist jetzt der richtige Augenblick zum Schlussmachen\“. Ganz zu schweigen von den vielen Tieren, die \“waidwund\“ irgendwo verrecken. Die Ausrede, der Mensch müsse regulierend eingreifen, glaube ich nicht. Schließlich wird Jagdwild im Winter schön durchgefüttert, damit es auch recht viel zum Jagen gibt. Aber ich nehme an, Deine Verwandten werden mit einer Sintflut von Gründen aufwarten können, warum es eben doch notwendig und gut und schön ist.

    Am nächsten kommt Deinem Problem bei mir mein Bruder, ein großer Naturliebhaber, der aber auch gern angelt, wenn er unterwegs ist (und er grillt mit Vorliebe Fleisch). Das Thema fällt bei uns unter \“Burgfrieden\“. Er respektiert meine Haltung (so sehr, dass er mir zu Weihnachten die \“China Study\“ geschenkt hat), und ich schweige mich aus und esse mein Gemüse.

    Versuche, Dich nicht unter Rechtfertigungsdruck setzen zu lassen. Hast Du nicht nötig. Deine Entscheidung wurde sicherlich auch aus Mitgefühl und nicht nur aus rationalen Überlegungen heraus getroffen. Mitgefühl mit den Angehörigen anderer Spezies gilt unter Fleischessern nicht als Argument, schließlich haben sie es sich abtrainiert. Deine Stärke ist, dass Du es wiedergefunden hast. Wenn Deine Familie sich nach einiger Zeit daran gewöhnt hat und Du Ansatzpunkte siehst, kannst Du immer noch mit Vernunftargumenten kommen. Für\’s erste reicht es aber, wenn Du Dir selbst weiter traust und Dich nicht irre machen lässt.

    Alles Gute!

  • 8. Juli 2015 um 10:23

    Ups, 3 Jäger in der Familie, das ist hart, auch wenn man hineingewachsen ist. Ich würde ausziehen, weil, das wäre mir einfach zu viel. Es ist doch nicht nur das Tier was in der Garage hängt. Es müsste nach meinen Vorstellungen im ganzen Haus nach Wild riechen. Dann der Geruch bei der Zubereitung. Ich würde mich nicht einfinden können beim Familientreffen.

    Kann man einen Menschen lieben, wenn man weiß er tötet? Würde er einen Menschen töten, käme er ins Gefängnis. Tötet er ein Tier, sitzt er mit am Tisch und isst es.

    In den 90zigern hatte ich eine Bekanntschaft, ich hoffte es würde mehr daraus. Dann lies sie sich zur Jägerin ausbilden, weil dieses Essen ja frei leben konnte und, nach dem Motto zurück zur Natur, dass Nahrungsmittel selbst besorgt werden konnte. Diskussionen lies sie nicht zu, es stimmte alles nicht was über die Jagd berichtet wurde. Heute sehen und höre wir uns nur noch beruflich. Ich habe mich von ihr zurückgezogen. Mir wurde schlecht, wenn sie nach einer Freiwoche stolz von Treffen der Jägerinnen berichtete und wie schön das doch alles sei. Und alles ganz natürlich. Ihr konnte ich aus dem Weg gehen.

    Du kannst Deiner Familie nicht aus dem Weg gehen. Diskutieren geht nur, wenn Du selber sehr gut vorbereitet bist. Diese Diskussion gehört natürlich nicht ins Familientreffen. Wenn die andere Seite nicht diskutieren kann oder will gibt es Unfrieden und das Treffen ist hin.

    Mit Blick auf dieses Familientreffen, könnte ich mir vorstellen, dass es sinnvoll ist, dass sich Jäger und Veganer vor dem Essen/Treffen zum Waffenstillstand entscheiden: es wird nicht darüber geredet. Das Thema wird auf einen anderen Zeitpunkt verschoben und dann hast Du noch Zeit Infomaterial aus dem Internet herauszuarbeiten.

    Für Sonntag würde ich mir für mich dann ein essen aussuchen, was nicht direkt vegan aussieht, damit diese Diskussion nicht auch noch belastet.

    Und wenn diese Treffen regelmäßig stattfinden, könnte doch abwechselnd vegan gekocht werden.

    Gibt es vielleicht ein Familienmitglied was auf deiner Seite steht und mit Dir argumentieren kann?

    Hör auf Deinen Bauch. Überlege was Du wirklich möchtest. Vielleicht laden Dich Freunde zu einer Sonntagstour ein. Dann hast Du Spaß und nicht Stress.

  • 8. Juli 2015 um 10:53

    3 Jäger in der Familie! Das ist schwer zu ertragen.
    Wie Amanda schrieb, müsste das ganze Haus nach Blut riechen.
    Ich war mal bei einer Freundin spontan zum Essen eingeladen. In dieser Zeit habe ich noch Fleisch gegessen, ist also schon über 30 Jahre her.
    Sie wollte mir nicht sagen, was es gibt. Sollte eine Überraschung werden.
    Als ich das Haus betrat schlug mir ein fürchterlicher Gestank entgegen, der einen Würgereiz auslöste. Sie kam ganz stolz aus der Küche, sie habe eine Hirschkeule gemacht.
    Ich hab mich entschuldigt und bin wieder heim gefahren.
    Das war die erste und letzte Begegnung mit Wild. Den Gestank hab ich immer noch in der Nase.
    Für Dein Familientreffen kann ich Dir nur raten, die \“Jäger\“ zu filtern und momentan nur als Bruder, Schwager und Opa zu sehen und dem Thema Veganismus erstmal aus dem Weg zu gehen.
    Wenn Du darauf angesprochen wirst, würde ich an Deiner Stelle drum bitten, Dich einfach mal so, wie Du jetzt bist, zu nehmen und das Thema auf später verschieben.
    Du brauchst Dich und Du solltest Dich auf keinen Fall rechtfertigen.

  • 8. Juli 2015 um 11:13

    Danke euch allen!

    Die Situation ist nicht ganz so akut, wie sie scheint:
    – Kein Wildgeruch in der Wohnung, da Wild im Haus der Großeltern (ca. 10m Luftline) zubereitet und aufbewahrt wird.
    – Ich bin bereits vor 1 1/2 Jahren ausgezogen
    – Mittlerweile essen die \“nicht-Jäger\“ nur noch wenig Fleisch
    – Wir bringen meist selbst gekochtes mit oder es wird für uns beide vegan gekocht

    Es gibt eine \“nicht-über-vegan-sprechen\“ Vereinbarung, die sich aber dieses Wochenende zum ersten Mal bewähren muss :unsure:
    An mir soll es nicht liegen, solange keine dummen Sprüche oder realitätsfremde Argumente kommen :S

    Meistens kann ich mich nur nicht zurückhalten, wenn solche Sätze Fallen wie \“Den Tieren geht es doch gut\“, \“Biotiere leben ein glückliches Leben\“, \“Es gibt nicht genug Lebensmittel wenn alle Vegan leben würden\“.
    Da hat die Fleischindustrie ganze Propaganda geleistet.

    Prinzipiell scheint hier in Hessen die Massentierzucht nicht ganz so verbreitet zu sein. Viele lokale Bauern, die ihre Tiere \“artgerecht\“ ausbeuten. Diese können auf jeden Fall die \“Sorge\“ um ihre Tiere gut vorspielen.

  • 10. Juli 2015 um 19:01

    Hi Nefasu,
    ich wünsch Dir ein entspanntes Wochenende mit leckerem (V)-Essen, guten Gesprächen und einer inneren Stimme, die Dir in bestimmten Situationen sagt :
    Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

  • 11. Juli 2015 um 6:29

    Und vor allem: Lass dich nicht provozieren. Bleib höflich und freundlich.

  • 11. Juli 2015 um 7:54

    …und glaub nicht, dass Du alleine bist. Wir stehen Dir gedanklich bei. Ich hoffe, Du erzählst danach ein bisschen.

  • 11. Juli 2015 um 8:29

    Kann mich nur anschließen. Alles Gute!

  • 13. Juli 2015 um 7:47

    Hallöchen Leute,

    größtenteils ist alles gut verlaufen :cheer:
    Außer ein paar kleinen Seitenstichen auf den Veganismus wurde die einzige Diskussion über \“Kann spuren von … enthalten\“ geführt. Nach dem Motto: Das DARFST du doch ger nicht essen.

    Zum Glück hatte ich Samstag abend noch Keine Bewegung! Veganer Polizei! gesehen und konnte der Diskussion recht schnell den Wind aus den Segeln nehmen 😉 Das Video diente als guter Ausstieg aus einer Diskussion, welche sich wohl doch in die Länge gezogen hätte.

    Ein ganz besonderes Dankeschön an dieser Stelle noch an Dagmar für den Ratschlag, welcher mir den Tag gerettet hat:

    Dagmar schrieb:
    Für Dein Familientreffen kann ich Dir nur raten, die \“Jäger\“ zu filtern und momentan nur als Bruder, Schwager und Opa zu sehen und dem Thema Veganismus erstmal aus dem Weg zu gehen.

    Ps: Es war das erste Familienessen, bei dem keine Jagdvideos gezeigt wurden :woohoo:

  • 13. Juli 2015 um 8:10

    Dann ist es doch prima gelaufen!
    Herzlichen Glückwunsch.
    Wenn Du alles etwas mit Humor nimmst (Veganerpolizei) machst Du schon mal 1 Vorurteil nichtig.
    Die denken immer, Veganer sind verbiestert, weil sie nicht alles essen DÜRFEN :-)

  • 13. Juli 2015 um 9:32

    Hallo Nefasu,

    ich freu mich auch für Dich!

    Zu Deinem Thema hab ich aber kürzlich noch eine Info gelesen, die mich ziemlich umgehauen hat: Es sollen durchschnittlich 50 x mehr Rehe und Hirsche den Wald bevölkern als dies ohne menschliche \“Hege\“ der Fall wäre. Dass da viel zu viele Tiere zu Jagdzwecken \“gehalten\“ werden, war mir schon seit Horst Sterns legendärer Doku \“Bemerkungen über den Rothirsch\“ klar. (1971, seh ich gerade, war das. Oh, Du bist ja etws jünger. Aber in einer Familie mit so vielen Jägern ist der Film vielleicht trotzdem nicht unbekannt). Den Umfang heutzutage finde ich dann doch ziemlich erstaunlich. Eine Zahl für den Hinterkopf, wenn es mal passt. Quelle: Peter Wohlleben \“Das geheime Leben der Bäume\“.

  • 13. Juli 2015 um 9:42

    Liebe Inga, das ist doch alles hausgemacht.
    Wenn dann ja mal ein Bär (Bruno,grein!) oder ein Wolf auftaucht, der das Gleichgewicht herstellen könnte, werden diese Tiere durch die Medien und die Politik so verteufelt, dass sofort Initiativen zur Beseitigung dieser Monster ergriffen werden.
    Der Fall Bruno lässt mir immer noch die Krallen auffahren!!!

  • 13. Juli 2015 um 10:06

    Ja, Bruno der \“Problembär\“, als säßen die Probleme nicht ganz woanders, ein Trauerspiel. Und seit hier wieder Wölfe herumlaufen, gibt es kaum noch Meldungen über verwilderte Hunde, die Schafe reißen. Die Kindermärchen vom bösen Wolf leisten eben immer noch ganze Arbeit, kaum zu glauben. Und Richtigstellungen sind ja schon mal gar nicht angesagt in der Presse.

  • 13. Juli 2015 um 10:12

    Klingt halt auch reißerischer und lässt sich besser verkaufen.
    Vielleicht hilft es aber auch diese ganzen Gröhlfatzger und Downhiller aus dem Wald raus zu halten.